Elisabeth Liebler

Trainerin für Zeit- und Brain-Management


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[Elisabeth Liebler]
Rätsel

Der hungrige Bücherwurm

buch

Viele Zeitgenossen behaupten, heutzutage sei überall der Wurm drin.

Wer alte Rätsel liebt, weiß, der Wurm treibt schon sehr lange sein Unwesen, speziell in Büchern.

So hat sich eine Rätselfreundin ein Kreuzworträtsel-Lexikon in zwei Bänden gekauft. Stolz schrieb sie ihren Namen in das erste Buch und stellte beide Bücher ordentlich in ihr Bücherregal.

Was sie dabei nicht bemerkt hatte: Auch ein Bücherwurm hatte diese beiden Bände sozusagen zum Fressen gern und sich unbemerkt zwischen den Einbanddeckel und die erste Seite des ersten Bandes gemogelt. Der Hunger war groß und so begann unser Wurm sofort zu fressen, wobei er zum Durchnagen eines Blattes einen Tag und für einen Buchdeckel drei Tage braucht. Jeder Band hat 300 Seiten. Wie lange braucht unser Bücherwurm, bis er auf die hintere Einbanddecke von Band 2 stößt?

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Das Anagramm

KARAMELENGEL war beim Gartenbeet,
obwohl sie in der HEILKUNTDE arbeitete
und keine RAUCHZUSE haben wollte,
lief ihr ein NHUD über den Weg.
So übersah sie den DOSISWERN,stolperte,
riss die FERZMPEFINFE heraus und rief BEHALT SIE.

Die fettgedruckten Wörter sind Anagramme.

Wer ist’s?
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Mnemotechnik



kopf

Stellen Sie sich eine Zeit ohne Bücher vor: Sie können nicht schreiben und lesen. Alle Dinge, die Sie sich merken wollen, müssen irgendwie in Ihrem Gedächtnis verankert werden. Gedächtniskunst ist eine der ältesten geistigen Fertigkeiten der Menschheit. Der Begriff Mnemotechnik leitet sich von dem griechischen Wort Mnemosyne ab. Die Göttin Mnemosyne ist die Mutter aller Künste, denn: ohne Gedächtnis nur der Ton, aber keine Melodie… nur die Farbe, aber kein Bild…nur das Wort, aber kein Gedicht… Mnemosyne weiß um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die großen Epen der Menschheitsgeschichte wie Homers Ilias, die Edda und das Nibelungenlied wären ohne die hervorragende Gedächtnisleistung unserer Vorfahren nicht überliefert worden.

Als erster namentlich Genannter tritt Simonides von Ceos aus dem Schatten der Geschichte. Er nahm an einem Gastmahl teil, hielt eine Rede und verließ durch besondere Umstände den Raum. Unmittelbar danach stürzte die Decke ein und begrub alle Teilnehmer des Gastmahls unter sich. Allein durch seine Fähigkeit, sich genau zu behalten, wo die Einzelnen gesessen hatten, konnte er den Familienangehörigen helfen, ihre Verwandten unter den Toten zu finden.

Wir heute benutzen die gleiche Technik, uns Dinge zu merken, die an einen bestimmten Ort, an eine bestimmte Reihenfolge gekoppelt sind. Denken Sie nur an das Gesellschaftsspiel „Koffer packen“. Wir erinnern uns an die einzelnen Gegenstände, die von den Spielern in den Koffer gepackt werden, besonders gut, wenn wir sie im Geiste mit den Gesichtern unserer Mitspieler verbinden. Oder erinnern Sie sich an die Quizshows „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell. In der „Grips-Show“ mit Günther Jauch beeindruckte Veronika Feldbusch unter Anleitung von Gedächtniskünstler Dr. Gunther Karsten mit ihrer Merkleistung die Zuschauer.

Weil diese Technik bestimmte Plätze (Orte) mit den zu merkenden Inhalten verbindet, sprechen wir auch von der Loci-Methode (locus ist lateinisch und bedeutet Platz, Ort).

Bei dieser Technik geht es darum, auf einer festgelegten Route durch die Wohnung, einer Fahrtroute, einer Platzordnung Dinge, an die wir uns systematisch und in Reihenfolge erinnern möchten, mit Einrichtungsgegenständen oder anderen „Merkmalen“ gedanklich zu kombinieren, zu verketten. Laufen wir die Route später in Gedanken wieder ab, so fallen uns meist nach kurzer Zeit die Bilder und Fakten wieder ein, die wir hier deponiert hatten.

Die Römer der Antike, die sich gelehrte Griechen als Sklaven hielten, ließen zwar mit Griffeln in Wachstafeln schreiben, kannten sogar schon Anfänge der Kurzschrift, aber Sie können sich vorstellen, wie mühsam Schreiben immer noch war. Und selbstverständlich beherrschte nur eine auserwählte Elite die Fertigkeit des Schreibens und Lesens. Für Reden, die manchmal bis zu drei Stunden dauerten, war es also sinnvoll, die Technik der Gedächtniskunst, wie sie die Griechen schon kannten, zu übernehmen. Cicero (106 – 43 v. Chr.), der große Politiker und Redner der römischen Klassik empfahl diese Technik in seinem Werk De Oratore, in dem der seine „Merkorte“ in seiner römischen Villa beschrieb. Auch das Merken durch Assoziationen war ihm bekannt. Er sagte: „Man sollte die Verbindungen herstellen, die bemerkenswert, auffällig schön oder hässlich sind oder indem wir ihnen einen lächerlichen Gedanken hinzufügen, denn diese Charakter werden es dem Gedächtnis einfach machen, das Eingeprägte fehlerlos wieder zu finden.“ Bis heute benutzen Gedächtniskünstler, wie sie zum Beispiel bei Gottschalk auftreten, diese Merktechniken.

Im Mittelalter verlor die Gedächtniskunst an Bedeutung. Obwohl: die Fähigkeit des Menschen, in Bildern zu denken und diese Bilder besonders gut im Gedächtnis zu behalten, wurde von vielen Priestern intuitiv benutzt, um Menschen die Schätze des Himmelreichs und die Qualen der Hölle auszumalen und sie sehr nachdrücklich in den Hirnen ihrer Schäfchen „einzubrennen“.

Erst die Renaissance besann sich wieder antiker Tugenden und allen voran ist Giordano Bruno (1548 – 1600) zu nennen, der mit Assoziationen arbeitete, um die Position der Gestirne in ihrem Lauf besser merken zu können. Ihm war Gedächtniskunst Segen und Fluch zugleich: die Einladung eines italienischen Adeligen, der ihn bat, ihm die Kunst der Mnemotechnik zu lehren, lockte Bruno aus seinem Exil, wo er vor kirchlicher Verfolgung sicher war, ins Verhängnis. Er wurde 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

In den nachfolgenden Jahrhunderten ließ das Interesse an der Mnemotechnik deutlich nach, aber immer wieder finden wir Spuren davon, sogar in der schöngeistigen Literatur. Heinrich Heine (1797 - 1856) beschrieb in seinem Romanfragment „Aus den Memoiren des Herren von Schnapelewopski“, wie ein Junge mit dem Loci-System umging.

„Er (=Herr van Moeulens) hatte die sonderbare Angewohnheit, alle tage in seiner Wohnung die Aufstellung der Möbel zu verändern, und wenn man zu ihm kam, fand man ihn entweder beschäftigt, die Kommode an die Stelle des Bettes oder den Schreibtisch an die Stelle des Sofas zu setzen. Der kleine Simson bildete in dieser Beziehung den ängstlichsten Gegensatz. Er konnte es nicht leiden, dass man in seinem Zimmer das mindeste, sei es auch nur die Lichtschere, zu Hand nahm. Denn seine Möbel und sonstige Effekten dienten als Hilfsmittel, nach den Vorschriften der Mnemonik (= Gedächtniskunst) allerlei historische Daten oder philosophische Sätze in seinem Gedächtnis zu fixieren. Als einst die Hausmagd in seiner Abwesenheit einen alten Kasten aus seinem Zimmer fortgeschafft und seine Hemde und Strümpfe aus den Schublanden der Kommode genommen, um sie waschen zu lassen, da war er untröstlich, als er nach Hause kam. Und er behauptete, er wisse jetzt nichts mehr von der assyrischen Geschichte und alle seine Beweise für die Unsterblichkeit der Seele, die er so mühsam in den verschiedenen Schubladen ganz systematisch geordnet, seien jetzt in die Wäsche gegeben.“

Aus: Projekt Gutenberg

Schon im 19. Jahrhundert wurden Bücher zum gleichen Thema herausgegeben, zum Beispiel: Lehrbuch der Mnemonik oder Gedächtniskunde von Hermann Kothe, Verlag Schuberth & Co., Hamburg 1848
Wörterbuch der Mnemotechnik von Carl Otto Reventlow, Verlag J.G. Cotta, Stuttgart 1844

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im vorigen Jahrhundert wurden Gehirn und Gedächtnis zunehmend zum Thema wissenschaftlicher Untersuchungen. Stellvertretend für viele seien hier die Ärzte Alois Alzheimer und Sergej Korsakow genannt; nach beiden wurden schwere Funktionsstörungen des Gehirns benannt: die Alzheimer Erkrankung und das Korsakow-Syndrom. Ganz wichtig auch der Philosoph Hermann Ebbinghaus (1850 -1909), der Funktionen des Gedächtnisses anhand des Lernens und Wiederholens von „sinnlosen Silben“ darstellte.

Der Neuropsychologe Aleksandr Lurija (1901 -1977) beschrieb den außergewöhnlichen Fall eines Mannes, Solomon Schereschewski, der über das absolute Gedächtnis verfügte. Dieser Journalist, der nach landläufiger Meinung die absolut perfekte Gedächtnisleistung erbrachte, erlebte im Gegenteil den absoluten Horror, weil er nichts von dem vergessen konnte, was er sich einmal eingeprägt hatte. Wie gut haben wir es dagegen mit unserem Gedächtnis, das auf ganz natürlichem Wege die unwesentlichen Dinge wieder „vergisst.“ Wie heißt es so schön: „Glücklich ist, der vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

Eine moderne Übung zur Kettenmethode finden Sie in dem Kriminalroman „Die Kleptomanin“ von Agatha Christie, Verlag Scherz, 25. Aufl. 2002, S.10 – 12 . Kettenmethode bedeutet, dass Wörter, die wir uns merken wollen, zu einer Kette, einer Geschichte aneinandergereiht werden und so später besser der Reihe nach aus dem Gedächtnis abgerufen können.

Inzwischen sind wir im 21. Jahrhundert angekommen. Ganz sicher wird dieses Jahrhundert der wissenschaftlichen Erforschung des menschlichen Gehirns und des menschlichen Geistes gewidmet sein. Ein Zitat des Zukunftsforschers Matthias Horx deutet die Richtung an:

„Denken und Fühlen, Wissen und Kreativität – diese gemein menschlichen Akte werden im Übergang zum Wissenszeitalter zu neuen Wundern. Die Psyche und das Bewusstsein, die Funktionen des menschlichen Gehirns und seine möglichen Erweiterungen werden im kommenden Jahrhundert zum Megathema.“
Quelle: Zukunftsletter VNR: Matthias Horx, Wien, 1999

Buchempfehlungen zu diesem Thema finden Sie auf meiner Website unter “LeseLupe“.